„Liebe wird aus Mut gemacht.“ Mit diesem Satz lässt sich eigentlich alles erklären, was das Johanna-Ruß-Haus ausmacht – seine Entstehung, seine fünfzig Jahre und auch unser Fest, das wir am 11. Juli auf dem Lebensort Rüsberg feiern durften. Wir haben getanzt, gelacht, gestaunt – und das Wunderland kurzerhand zu uns geholt: Zweimal folgten die Besucher dem weißen Kaninchen, begegneten dem verrückten Hutmacher und der Grinsekatze, und der Rüsberg war für einen Tag noch ein bisschen bunter als sonst.
1976 zogen Ursula Wedepohl und Reinhard Berger mit einem einzigen Schüler der Christopherus-Schule in einen weitgehend leerstehenden Gutshof – ohne Betriebserlaubnis, ohne Dienstplan, ohne finanzielle Absicherung, aber mit der tiefen Überzeugung, dass junge Menschen mit Assistenzbedarf einen echten Lebensort verdienen. Aus diesem Anfang ist in fünf Jahrzehnten ein Zuhause für 18 Kinder und Jugendliche geworden, ein Natur-, Kultur- und Impulsort, geöffnet und schützend, federleicht und Kraftort zugleich.
Unser Fest lebte in diesem Geist. Schon zu Beginn wurden alle einbezogen: Aus einfachen Tanzschritten entstand eine lange, fröhliche Schlange, die sich über das Gelände zog – Bewohner, Mitarbeitende und Gäste, alle mittendrin, alle Teil des Ganzen. Pizza aus dem Holzofen, Kinderspiele, Ponyparcour, Schatzsuche im Sand, eine Manege aus Strohballen, Clownin Henriette Wunderschön und Clown Eberhardt und so viel mehr – der Höhepunkt des Tages waren aber die beiden Aufführungen von „Alice im Wunderland“, gespielt von Bewohnerinnen und Bewohnern gemeinsam mit Freunden des Hauses.
Wir haben uns sehr gefreut, so viele Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter bei uns begrüßen zu dürfen: Wittens Bürgermeister Dirk Leistner, Landrat Jan-Christoph Schaberick, Vertreterinnen von Anthropoi und dem Paritätischen NRW sowie viele liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Christopherus Haus – aus den ambulanten Diensten, der Besonderen Wohnform, den Christopherus-Schulen und den Werkstätten Gottessegen. Schön, so viele vertraute Gesichter auf dem Rüsberg zu wissen, an einem Ort, der seit einem halben Jahrhundert genau das kann: Menschen zusammenbringen, Halt geben und tragen.
Die vollständige Festschrift „Vom Gutshof zum Lebensort – 50 Jahre Johanna-Ruß-Haus“ steht hier zum Download bereit: Download
