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Willkommen auf den Seiten des Christopherus-Haus e. V.
Auf den folgenden Seiten stellen wir uns, unsere Entwicklung und unsere Arbeit näher vor.

    

Anthroposophie und Heilpädagogik

Grundlage der Arbeit des Christopherus-Haus e. V. ist die Anthroposophie und Heilpädagogik Rudolf Steiners. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie und Initiator und Ratgeber auf vielen Gebieten des Lebens, hatte in den Jahren vor der Jahrhundertwende bis gegen den ersten Weltkrieg hin aus seiner Geistesforschung viele Schriften verfasst und Vorträge gehalten. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stand das Menschenwesen, dessen geistiger und seelischer Entwicklung seine Sorge galt, standen der Kosmos und die in ihm wirkenden Wesen und das Leben der Erde. Dabei sah er die Nöte der Zeit und ihrer Menschen und konnte auch Wege zur Hilfe zeigen. Einem geistigen Gesetz folgend gab er jedoch nur Ratschläge oder zeigte neue Wege, wenn er von einem Menschen, dessen Anliegen das war, darum gebeten wurde. Auf diese Weise entstand 1912 der erste Ansatz zur Eurythmie, als ein junges Mädchen nach einem Beruf suchte, der ihrer Bewegungsbegabung entsprach.

Während des 1. Weltkrieges (1914-1918) entwickelte Rudolf Steiner die Gedanken zur Dreigliederung des sozialen Lebens, - Freiheit im Geistesleben, Gleichheit im Rechtsleben und Brüderlichkeit im Wirtschaftleben - die Ideale der französischen Revolution auf eine neue Ebene bringend. Er konnte damit jedoch nicht die breite Öffentlichkeit erreichen. Nach dem Krieg kamen aus den verschiedenen Lebensgebieten Menschen, die ihn schon kannten oder sogar seine persönlichen Schüler waren, mit den Fragen und Bitten um Ratschläge für ihren Lebensumkreis zu ihm. So entstand 1919 in Stuttgart die erste Waldorfschule für die Kinder der Arbeiter der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik durch die Vermittlung des Fabrikdirektors Emil Molt. Dieser schuf den äußeren Rahmen - Gebäude, Geld etc. - dafür, dass Rudolf Steiner Lehrer berufen und sie in den Grundlagen der neuen Pädagogik ausbilden konnte. „Waldorf“ ist seitdem ein Begriff für die anthroposophisch orientierte Erziehungskunst geworden. In der Zusammenarbeit mit Dr. Ita Wegmann entstanden die anthroposophische Medizin und die ersten Keime der Heilpädagogik.

1922 kam es zur Gründung der Christengemeinschaft, als junge Theologen Rudolf Steiner baten, ihnen Wege zu einem neuen, weltweiten Christusverständnis zu zeigen.



Die biologisch-dynamische Landwirtschaft („Demeter“) wurde auf die Frage eines Gutsbesitzers hin entwickelt. Auf dem Rückweg von dem dieser Landwirtschaft die Grundlage gebenden Kurs, der in Schlesien stattfand, kam Rudolf Steiner nach Jena (Thüringen), wohin ihn die Begründer der „Lauenstein“, des ersten anthroposophischen Kinderheims in Deutschland, Siegfried Pickert, Franz Löffler und Albrecht Strohschein, eingeladen hatten. Sie baten Rudolf Steiner um Hilfe für die Arbeit mit ihren entwicklungsgestörten Zöglingen und um geistgemäße Gesichtspunkte zum Erfassen ihrer Krankheiten und ihres Wesens. Sie fanden ein Haus und es gelang ihnen fast ohne Geld, es einzurichten. „Wenn sie ein Haus finden, komme ich zu ihnen“, hatte Rudolf Steiner versprochen. Am 18. Juni 1924 fand dieser Besuch statt, bei dem Rudolf Steiner im liebevollen Anschauen der verschiedenen Kinder diese als „Seelenpflege bedürftig“ bezeichnete und dem Haus den Namen gab: „Lauenstein, Heil- und Erziehungsinstitut für Seelenpflege bedürftige Kinder“.

Es folgte der „Heilpädagogische Kurs“ in Dornach für die jungen Heilpädagogen und wenige andere Zuhörer. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte, zunächst noch mit Hilfe von Frau Dr. Wegmann, die weltweite heilpädagogische und sozialtherapeutische Bewegung, zu der auch das Christopherus-Haus gehört.

Die Künste, besonders die bildenden Künste und das Schauspiel, aber auch die Musik, bekamen starke Erneuerungsimpulse durch Rudolf Steiner.

So sind heute all die Auswirkungen seines Schaffens bekannter als der geisteswissenschaftliche „Goldgrund“, aus dem sie entstanden sind.

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Gründerjahre

Auszug aus einem Artikel von Frau Dr. Küstermann anlässlich
des 40-jährigen Jubiläums des Christopherus-Haus e. V. im Juli 2004.
Den vollständigen Artikel können Sie hier als PDF herunterladen.

Als Mitbegründerin des Christopherus-Hauses blicke ich gerne zurück und wage zugleich einen Ausblick. Dabei stehen nicht die Äußerlichkeiten wie die Vereinsgründung o. Ä. im Vordergrund, sondern die Taten von Menschen, denen die aus der anthroposophischen Geisteswissenschaft hervorgegangene und weltweit gepflegte Heilpädagogik ein tiefes Anliegen geworden war.

Zu den Gründerinnen gehören die Heilpädagoginnen Johanna Ruß, Eve-Lis Damm und Ursula Wedepohl und mein Mann, der Arzt Adolf Küstermann. Wir hatten mehrere Jahre in dem von Ita Wegmann begründeten heilpädagogischen Institut La Motta im Tessin/Schweiz, zusammengearbeitet und kannten uns gut. Im Sommer 1963 entschlossen wir uns, nach Deutschland zurückzukehren und in eine Stadt, in der dies am notwendigsten schien und auch gewollt war, eine heilpädagogische Einrichtung aufzubauen. Wir dachten an eine Schule, denn für sogenannte geistig behinderte Kinder - wir bezeichnen sie als Seelenpflegebedürftige - gab es damals noch keine Schulpflicht. Nach längerem Suchen, fiel die Wahl auf das Ruhrgebiet, wo eine Gruppe von Ärzten und das damalige Kollegium der ersten Waldorf-Schule im Revier, der Schule in Bochum-Langendreer, großes Interesse an einer Verwirklichung unserer Ziele zeigten.

  
Das Haus und der Saal in der Friedenstraße

In Dortmund, in der Friedenstraße 4, wurde gerade eine kleine private Entbindungsklinik geschlossen. Dieses Haus konnten wir übernehmen. Es war ein Altbau vom Ende des 19. Jahrhunderts mit 16 Räumen, der den Krieg überstanden hatte. Die Eigentümerin und leitende Hebamme überließ uns großzügig einen Teil des Inventars. Von Weihnachten 1963 bis Anfang Februar 1964 hatten wir das Haus soweit hergerichtet, dass wir beginnen konnten. Auch die Köchin der Klinik hatten wir für die mittägliche Versorgung der erwarteten Kinder eingestellt. Wir Mitarbeiter bewohnten zunächst etliche der Räume, da wir ja viel Platz hatten. Was uns jedoch fehlte, war Geld. Wir waren völlig mittellos, unser Kapital war der starke gemeinsame Wille, für all die schulisch nicht versorgten Kinder eine Entwicklungschance zu schaffen. Das Ziel war die Förderung dieser Kinder auf der Grundlage des Waldorf-Lehrplanes und der anthroposophischen Heilpädagogik.

  

Wir begannen am 4. Februar 1964 unsere Arbeit zunächst als Tagesbildungsstätte, da es damals - wie oben erwähnt - für diese Kinder noch keine Schulpflicht gab. Wir hatten einen regen Zustrom erwartet, weil Direktoren der Dortmunder Sonderschulen lebhaftes Interesse an unseren Absichten gezeigt hatten. Sie hatten so manche Kinder in ihrer schulischen Obhut, die einer anderen Förderung bedurft hätten. Aber es kamen nur drei Kinder und bald darauf zwei weitere. Wir begannen zunächst die Arbeit ohne die offizielle Anerkennung durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe, die wir als selbstverständlich vorausgesetzt hatten. Sie erfolgte jedoch erst ein Jahr später, was für uns bedeutete, dass wir zunächst auf eine Refinanzierung verzichten mussten.
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