2016

September 2016

Impressionen aus der Erntedank-Woche:

Erntedank-Tisch im Morgenkreis

Jeden Morgen brachten die Schülerinnen und Schüler eine Woche lang Obst und Gemüse zum Morgenkreis mit in die Schule. Am Donnerstag wurde dann die Erntedank-Suppe mit Obstsalat zubereitet. Alle wirkten mit, die erste Klasse genauso wie die dreizehnte Klasse.

Morgenkreis

 

Juni 2016

Theaterprojekt der 12. Klasse:

Der Hausmeister  (…..ein Stück von Krieg, Flucht und Ankommen)

Mit großem Erfolg, Hingabe und Spielfreude brachte unsere 12. Klasse am Samstag, den 18.06.2016 und am Sonntag, den 19.06.2016 ein Stück auf die Bühne, das eine wahre Geschichte erzählt: Das Leben unseres Hausmeisters!
„Wir wollen Ihnen von einem Mann erzählen, der einmal glücklich war und dann durch den Krieg unglücklich wurde und fliehen musste. Jedem kann es geschehen. Auch Ihnen. Auch Ihnen. Und Ihnen. Jeder von uns kann Hassan sein,“ so heißt es zu Beginn des Spiels. Im weiteren Verlauf wechseln eine Weste und eine Kappe von Schüler zu Schüler. Auch ins Publikum werden Weste und Kappe gereicht und machen klar: Jeder kann zum Flüchtling werden.

Jeder könnte Flüchtling sein! - Füchtlingsweste und Kappe werden weiter gegeben

Jeder könnte Flüchtling sein! – Füchtlingsweste und Kappe werden weiter gegeben

 

 

 

 

 

 

 

Wir sind im Jahr 1990. Hassan baut zusammen mit seinen Freunden an seinem Haus. Seine Freunde sind Serben, Kroaten und Kosovaren. Hassan ist frisch verliebt in Jasmina und das Glück der Beiden scheint vollkommen.

Aus Freunden werden Feinde. Ein Herrscher ist tot, ein anderer macht neue Gesetze, teilt neu ein und entzieht den Menschen den Boden unter den Füßen.

Die Freunde entzweien sich. Hassans und Jasminas Traum vom Glück zerbricht und lässt zwei ratlose junge Menschen zurück.

Krieg. Verstört wanken die Menschen durch die zerstörte Stadt und schreien ihre Not heraus. Hassan hört eine Innere Stimme, die ihm rät zu fliehen. Er und Jasmina tragen in sich den Traum von Frieden, der sich wie ein Regen auf Stadt, Land und Menschen legen soll.

Die Menschen verlassen ihre Heimat, auf Koffern sitzend teilen sie ein letztes Mal ihre Liebe zur Heimat, Brot und Nähe. Dann geht jeder alleine seinen eigenen Weg.


Herbergssuche. Hassan und Jasmina sind in Deutschland angekommen. Sie werden von Stadt zu Stadt geschickt, bis sie endgültig Dortmund zugewiesen werden. Alles kostet unendlich viel Kraft. Und als die Verzweiflung am größten ist, Jasmina in Tränen ausbricht, da beginnt das Wunder. Menschen kreuzen ihren Lebensweg und mit Zuneigung und Hilfe der Menschen beginnen die ersten Schritte in das neue Leben hinein.

Flüchtling Hassan (mit Weste und Kappe) an der Pommesbude "Harrys heiße Hütte"

Flüchtling Hassan (mit Weste und Kappe) an der Pommesbude „Harrys heiße Hütte“

 

 

 

 

 

 

 

Nach anfänglichen sprachlichen Verwirrungen wird Hassan als Freund angenommen. (Die SchülerInnen selbst erfanden den Schluss dieser Szene und lebten uns vor, wie einfach es manchmal ist, Türen und Herzen zu öffnen.)

Überleben und Duldung. Hassan sucht und findet Arbeit. Aber oft ist es Arbeit, die ihn kaputt macht, die ihm alle Lebenskraft raubt. „Wenn ich diese Arbeit weitermachen muss, bin ich mit 50 Jahren tot.“ Dann jedoch wird Hassan die Hausmeisterstelle an der Christopherus-Schule angeboten. Er nimmt die Stelle an.

Auch wenn alles gut scheint, in der Nacht da kommt die Angst. In der Nacht kommen die Träume. In der Nacht werden Hassan und Jasmina von der Vergangenheit eingeholt.

Angekommen. Hassan und Jasmina werden Deutsche. Das ist das äußerliche Ankommen. Sie kommen jedoch auch innerlich an. Sie werden mit dem Herzen aufgenommen und schenken selbst mit vollem Herzen.

Hassan heißt in Wirklichkeit Mustafa und Mustafa ist unser Hausmeister und Jasmina ist seine Frau.

Maria Goritzki (Klassenlehrerin)

 

 Januar 2016

Hausbauepoche der 2./3. und 4. Klasse

Einer der beiden Klassenlehrer der 2./3. Klasse kommt in den Klassenraum, die20151209_101309 Schüler, die im Stuhlkreis sitzen, schauen überrascht. Denn ihr Lehrer hat sich verkleidet. Ohne Strümpfe, ohne Schuhe, mit Wollmütze und Wollweste und zwei Schaffellen über den Schultern geht er in die Mitte und stellt sich vor: „ Ich bin der Joseph und ich wohne im Wald.“ Dann demonstriert Joseph, wie er im Wald unter einem Baum schläft. Entweder liegt er auf einem Fell und deckt sich mit einem anderen zu oder er liegt anders oder wieder anders, doch irgendwie sieht es immer kalt und ungemütlich aus. Joseph bringt Regen und Wind ins Klassenzimmer, lässt die Schüler nachempfinden, wie es im Wald ist – bis ein Mädchen ihm den Rat gibt, sich doch ein Haus zu bauen! Da guckt Joseph aber erstaunt. „Ein Haus? Was ist denn ein Haus?“

Ja, und so hat die Hausbauepoche begonnen.

Dann wurden Tische zusammen geschoben, Decken darüber gelegt, Buden gebaut. Ein anderes Mal wurde ein Zelt in der Klasse aufgebaut.

Mit der 4. Klasse zusammen entstand im Wald ein Haus (Tipi) aus Stöcken, die im Wald gefunden und kraftvoll herbei geschleppt wurden. Es kam der Frost und die 2./3.-Klässler haben drinnen in der Klasse kleine Häuser aus Papier, die Viertklässler aus Lehm und Stöcken gebastelt. Nach dem Frost kam der Regen, manchmal auch die Sonne und der Höhepunkt der Epoche.               20151209_102929

Alle zusammen haben auf dem Schulhof ein Stück Grund gerodet, plan gemacht und ein Fundament aus Kies gelegt. Es sollte ein richtiges Gartenholzhaus (in Stecksystembauweise) für unsere Fahrräder gebaut werden.

Wie eine fleißige Ameisenkolonne sah man die Schüler hin und her laufen, Kies transportieren, Schubkarren schieben, Bretter tragen, diese zusammenstecken, hämmern und zum Schluss ein Richtfest feiern.

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Die Hausbauepoche ist im Waldorflehrplan in der 3. Klasse eingeplant. Dies hat seine Begründung in der Entwicklung des Kindes. Denn um das 9. Lebensjahr herum findet ein „Um-Bruch“ statt. Vor diesem Bruch erlebt sich das Kind völlig aufgehoben in dem Vertrauen, dass die Sonne und auch der Mond für es alleine scheint. Es fühlt sich als Mittelpunkt der Welt.

In diesem „Um-Bruch“ fällt das Kind nun aus der Mitte heraus. Erkennt, vielleicht auch schmerzhaft, dass die Sonne für alle Menschen scheint. Fragen und Zweifel, auch an den Eltern können in dieser Phase aufkommen. „Wenn der Mond und die Sterne für alle da sind, gehören meine Eltern dann wirklich nur zu mir? Sind das wirklich meine Eltern?“ Das Kind erlebt sich von den anderen getrennt.20160125_114227

Hier möchte nun die Hausbauepoche eingreifen, Hülle, Schutz, Geborgenheit und Zusammengehörigkeit durch das Bauen in und an der Gemeinschaft vermitteln.Ein neuer Mittelpunkt kann geschaffen werden. Ein eigenes Haus. Eine eigene kleine Welt in der großen Welt.

Margarete Corbett (Klassenlehrerin Klasse 2/3)

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