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Anthroposophische Heilpädagogik

Zur anthroposophischen Heilpädagogik gibt es zahlreiche Veröffentlichungen, die das grosse Spektrum und die vielfältige weltweite heilpädagogische und sozialtherapeutische Arbeit widerspiegeln, die sich sämtlich aus den Anregungen Rudolf Steiners aus dem Jahre 1924 ergeben. Der Impuls, der mit den zwölf Vorträgen, die als „Heilpädagogischer Kurs“ bekannt sind, von Rudolf Steiner gegeben wurde, hat sich als fruchtbar und dauerhaft gezeigt.

Was ist für die anthroposophische Heilpädagogik kennzeichnend? Was bedeutet der Ausdruck „seelenpflege-bedürftig“?
  
Mit einem Vergleich, der nur im ersten Moment als Vereinfachung erscheint, soll das Entscheidende bildlich ausgedrückt werden:
Man stelle sich eine Geige vor: Aus besonderen Hölzern fachgerecht gebaut, klingt sie in der Hand eines Anfängers vielleicht lange Zeit hindurch quälend durchdringend und „schräg“; in der Hand eines Meisters jedoch zaubert sie abendfüllende Kompositionen hervor. Es wird klar: auf den Geigenspieler kommt es an, die Geige ist „nur“ sein Instrument. Mit diesem Instrument drückt der Virtuose die Musik aus, die er spielt — aber auch sich selbst als Künstler, denn jeder hat seinen eigenen Stil. Ebenso klar ist: je kunstvoller die Geige gebaut und gespielt wurde, desto besser kann sich der Künstler mit ihr ausdrücken. Ist das Instrument jedoch verstimmt, beschädigt oder gar zerstört, kann gar nichts mehr erklingen, kann sich selbst der beste Künstler nicht mehr seinen eigentlichen Fähigkeiten gemäss ausdrücken. Wenn man nun alles das, was sichtbar ist am Menschen, hauptsächlich also sein Körper, als „Instrument“, den „Künstler“ jedoch als — unsichtbare — Individualität anspricht, wird die Parallele deutlich: Eine durch verschiedenste Einwirkungen beeinträchtigte, behinderte Körperlichkeit gleicht einem „verstimmten Instrument“, durch das sich die Individualität, das Einzigartige und Eigentliche des betreffenden Menschen, nicht mehr richtig ausdrücken kann.

Verkürzt gesagt gründet sich die anthroposophische Heilpädagogik auf die Erkenntnis:
Nicht der jeweilige Mensch, die Individualität, ist behindert, sondern sein „Körper-Instrument“ weist Hinderungen und Beeinträchtigungen auf. Dadurch gestalten sich seine Äußerungen, der nur ihm eigene „Stil“, anders als bei Menschen ohne Behinderungen.
Zunächst einmal lediglich „anders“; denn innerhalb der anthroposophischen Heilpädagogik gilt schon lange das, was sich in den letzten Jahren als anerkannte Haltung gegenüber Menschen mit Behinderung allgemein durchgesetzt hat: Jeder Mensch mit Behinderung hat sein individuelles „So-Sein“, das man nicht angemessen erfasst, wenn man nur mit Kategorien und Ausdrücken wie z.B.: „normal-entwickelt“ und „entwicklungsverzögert“ umgeht.

                    

Diese „Andersartigkeit“ der Ausdrucksformen von Menschen mit Behinderungen wurde und wird in der anthroposophischen Heilpädagogik studiert, gegliedert und mit vielfältigen Förderansätzen beantwortet. Eine Fülle von Förder- und Therapieformen sind entstanden (z.B. die Heileurythmie), die Konzepte des Lebens und Arbeitens mit Kindern und Erwachsenen mit Behinderungen sind jahrzehntelang erprobt und verändert worden — und so greift die anthroposophische Heilpädagogik auf einen breiten Erfahrunghintergrund zurück. Ziel ist es immer, dem jeweiligen Menschen mit Behinderung zum größtmöglichen Ausdruck zu verhelfen, ihm individuelle Förderangebote und Entwicklungsbedingungen zu geben und ihm ein selbstbestimmtes Leben in Würde und Freiheit zu ermöglichen.
Wichtig dabei ist, nicht nur auf die augenfälligen Behinderungen zu sehen und sie zu kompensieren, sondern auch die oft ganz außergewöhnlichen Fähigkeiten und besonderen Begabungen der Menschen mit Behinderungen zu erkennen und zur Entfaltung zu bringen. Dadurch entsteht im Zusammenleben ein wechselseitiges Lernen und ein gemeinsames Sich-Weiterentwickeln von Menschen mit und ohne Behinderung. Der rein karitative Ansatz in der Behindertenarbeit wird so durch einen schöpferisch-produktiven Aspekt sozialer Qualität erweitert, den wir bewusst pflegen: das nennen wir Seelenpflege.

„Seelenpflege“ umfasst das ganze Gebiet des Seelischen, dessen, was Körper („Instrument") und Geist („Künstler“) verbindet. Das gesamte Spektrum der Sinnes- und Bewegungsentwicklung, der lebenspraktischen Fertigkeiten, der sprachlich — kommunikativen und kognitiven Fähigkeiten, der sozialen Kompetenzen wird fachlich kompetent und konsequent aufbauend gefördert. Darüberhinaus sind es jedoch die künstlerischen Gebiete der Musik, der Malerei und der eurythmischen Bewegung, die als grundlegend heilsame Elemente der anthroposophischen Heilpädagogik „seelenpflegend“ dienen. Im Unterricht kommt das Recht eines jeden Menschen auf Bildung und Teilhabe an der Kultur als altersgerechter Lehrplan zur Geltung, das religiöse Element wird bewußt gepflegt.

Ganz übergeordnet ist jedoch kennzeichnend für die anthroposophische Heilpädagogik die bedingungslose Zuwendung zum anderen Menschen in dem Bewußtsein, als Individualität zusammen mit anderen Individualitäten das Leben verantwortlich zu gestalten.

Sabine Bulk


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Unter- und Mittelstufe

  
In den Klassen 1-3 wird viel gesungen und musiziert, es werden Reime und Rhythmen gesprochen, Märchen und Geschichten werden erzählt und gespielt.
Die Kinder werden an Buchstaben und Zahlen herangeführt. Erlebnisse an Körper und Sinnen, bildhafte Wahrheiten für das Gemüt und gestaltete Freiräume für die Initiativkraft des Kindes bilden in diesen Jahren den Rahmen des Lebens und Lernens.
  
In den Klassen 4-8 interessieren wir uns für Pflanzen und Tiere, für Geschichte und Erdkunde und für Physik und Chemie. In mehrwöchigen Unterrichtsepochen wenden wir uns einzelnen Phänomenen zu und versuchen ihre Zusammenhänge zu erfassen. In den künstlerischen Fächern Eurythmie und Musik, den praktischen Fächern Gartenbau und Handarbeit sowie Turnen und Schwimmen finden die Schüler gute Übungsfelder für ihre Fähigkeiten.

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Ober- und Werkstufe

In den Klassen 9-12 gliedert sich das schulische Leben nun deutlich in drei Bereiche:

• allgemeinbildender Unterricht mit Natur- und Menschenkunde, Geschichte und Zeitgeschehen, Biologie und Physik, Lesen, Schreiben und Rechnen

• Künstlerischer Unterricht mit Musik, Malen und Eurythmie
sowie
• handwerklicher Unterricht mit Schreinern, Kupfertreiben, Tonarbeiten, Textilwerken, Hauswirt, Filzen und Gartenbau.
  
Es gibt Praktika in der Landwirtschaft, im Forstbereich und in einer beschützenden Werkstatt.
In den Jugendlichen wird durch ihre eigene Arbeit und durch ihr Denken und Fühlen Verständnis dafür geweckt, dass sie ihre Umwelt mitgestalten können.


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Therapien

In regelmäßigen Therapiekonferenzen erarbeiten wir mit dem Schularzt, Therapeuten, Eltern und Klassenlehrern ein individuelles Therapiekonzept.
So soll für jedes Kind eine ausgewogene therapeutisch-schulische Fördersituation entstehen. Innerhalb des Schulalltages werden Einzelstunden in Musik, Heileurythmie sowie (auf ärztliche Verordnung) Krankengymnastik angeboten.

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